Bislang ist mit Inkrafttreten des Bundesteilhabegesetzes nur die Hilfeplanung in der Eingliederungshilfe per diagnostischer Einschätzung in der ICF-Klassifikation gesetzlich vorgeschrieben. Doch eignet sich die Klassifikation auch für die Therapiezielplanung in anderen Bereichen des Versorgungssystems?

Auf dem Bundeskongress der Deutschen Vereinigung für Soziale Arbeit im Gesundheitswesen (DVSG) im November im Kassel wurde dies in einem Forum zur Rolle der „Diagnose“ bei Gesundheits- und Sozialleistungen diskutiert.

Ob Leistungen der psychiatrisch-psychotherapeutischen Versorgung an ICD oder ICF orientiert werden, hängt unter anderem davon ab, ob z. B. eine Therapie eher störungs- oder prozessorientiert durchgeführt wird. Störungsorientierte therapeutische Ansätze sind hierbei am ehesten mit klassifikatorischer Diagnostik, wie sie mit ICD und ICF möglich ist, kompatibel. Doch auf den zweiten Blick sind auch prozessorientierte Therapieverfahren mit ihren schulenspezifischen diagnostischen Systemen (z. B. die Operationalisierte psychodynamische Diagnostik OPD) durchaus in Konstrukte der ICF „übersetzbar“ bzw. -im Falle der ICD-11 mit den Begriffen der Selbstfunktionen und Interpersonellen Funktionen- sogar vermutlich tatsächlich übersetzt worden.

Am Beispiel der Persönlichkeitsstörungen und der depressiven Störungen wurden zwei solcher Übersetzungsmöglichkeiten innerhalb der WHO-Systeme beispielhaft durchgeführt. Entsprechende Übertragungen zwischen psychotherapieschulen-bezogenen Diagnosesystemen wie OPD oder Verhaltensanalyse dürften entsprechend möglich sein und wären im Sinne einer Etablierung einer sozialmedizinischen Anwendungsrichtung der Psychologie wünschenswert.

Die Vortragsunterlagen der Referenten Röh, Endlich und Aßhauer sind im hier abrufbar: https://dvsg.org/dvsg-bundeskongress/programm-mit-nachlese/forum-2/