Dass der/die ein oder andere vielleicht besser einen anderen Beruf ausüben sollte, um längerfristig psychisch gesund zu bleiben oder es wieder zu werden, sagt sich umgangssprachlich leichter daher, als es dann tatsächlich auch gutachtlich festzustellen ist. Wie viel „Kompensation“ ist normal bei der Wahl und Ausübung der Berufstätigkeit und wann beginnt das sozialmedizinisch gelegentlich zitierte „Arbeiten auf Kosten der Gesundheit“?

In der Zeitschrift Persönlichkeitsstörungen Theorie und Therapie (PTT) werden im Heft mit dem übergreifenden Thema Indirekte Selbstschädigung vor dem Hintergrund sozialmedizinischer und plananalytischer Theorien Kriterien herausgearbeitet, anhand derer eine Berufswahl und -tätigkeit als selbstschädigend für eine Person identifziert werden kann. Anhand eines literarischen Fallbeispiels wird eine solche Analyse in den Teilschritten der Identifkation von Berufserwartungen und -bedingungen, der Motiv- und Bedürfnisstruktur, der tätigkeitsbezogenen Kompensationsmechanismen und der Gesamtwertung der klinischen und sozialmedizinischen Relevanz durchgeführt. Zuletzt werden Anhaltspunkte zur Abgrenzung zu symptomatischen, aber nicht selbstschädigenden Berufswahlen geliefert.

Aßhauer, F.: Implizite Selbstschädigung durch die Berufswahl. Persönlichkeitsstörungen: Theorie und Therapie 2 (2020), S. 75-85.